Die Idee für Locker Room Insights kam mir ausgerechnet beim Schreiben meiner Bachelorarbeit. Zwischen Literaturrecherche, Fußnoten und der Frage, ob ein Absatz wirklich verständlich ist, merkte ich, dass mir das Schreiben mehr Freude machte, als ich vorher gedacht hätte. Ich wollte mich auch nach der Abgabe weiter mit Sport beschäftigen, Zusammenhänge erklären und meine eigenen Gedanken dazu veröffentlichen. Also begann ich diesen Blog, während ich noch an der Arbeit saß.
Inzwischen ist die Bachelorarbeit abgegeben, und ich warte noch auf ihr Ergebnis. An manchen Tagen denke ich kaum daran, an anderen reicht ein Blick ins Postfach, und die Anspannung ist sofort wieder da. Ähnlich läuft es mit den Bewerbungen: Ich investiere Zeit und Arbeit in eine Stelle, stelle mir vor, wie der Einstieg aussehen könnte, und dann flattert doch wieder eine Absage hinein. Wenn der Abschluss eines alten und der Beginn eines neuen Lebensabschnitts gleichzeitig offen ist, fällt es mir schwer, die Zeit dazwischen einfach als freie Zeit zu empfinden.
Das spüre ich auch hier auf dem Blog. Was während der Bachelorarbeit noch ein Ausgleich war und sich nach einem eigenen Anfang angefühlt hat, ist zuletzt immer weiter in den Hintergrund gerückt. Ich habe die Lust zu schreiben nicht grundsätzlich verloren, ich sitze nur seltener da und denke: Darüber möchte ich jetzt unbedingt einen Beitrag schreiben. Gerade weil dieser Blog aus einer Phase entstanden ist, in der das Schreiben mir neue Energie gegeben hat, irritiert mich das mehr, als ich erwartet hätte.
Wenn eine Absage hängen bleibt
Ganz zu Beginn hatte jede Bewerbung noch etwas Aufregendes, eine gewisse Euphorie, dass bald ein neues Kapitel aufgeschlagen und geschrieben wird. Dass nicht jede Bewerbung zu einem Gespräch führen würde, war mir natürlich klar. Schwerer einzuschätzen war, wie sich diese Suche anfühlt, wenn man immer wieder von vorn anfängt und auf den erhofften nächsten Schritt bislang vor allem Absagen folgen. Von der anfänglichen Euphorie ist daher nicht mehr viel übrig.
Besonders anstrengend finde ich die Zeit dazwischen. Sobald eine Bewerbung abgeschickt ist, kann ich an ihr nichts mehr ändern, denke aber trotzdem weiter darüber nach: War das Anschreiben gut genug? Hätte ich deutlicher zeigen müssen, was ich kann? Passt mein Profil überhaupt zu den Stellen, auf die ich mich bewerbe? Mit jeder neuen Absage werden diese Fragen lauter, auch wenn ich weiß, dass ich die Gründe für eine Entscheidung von außen oft gar nicht beurteilen kann.
Dabei geht es mir nicht darum, von irgendjemandem eine Zusage zu erwarten, nur weil ich mir Mühe gegeben habe. Ich möchte beruflich im Sport Fuß fassen, bringe mein Studium und diesen Blog als Beispiele für meine Interessen und meine Arbeit mit und versuche herauszufinden, wo ich damit anfangen kann. Wenn die Antworten darauf über längere Zeit ausbleiben oder negativ ausfallen, wird es zunehmend schwer, die eigene Zuversicht von der nächsten E-Mail im Postfach unabhängig zu halten.
Vielleicht fehlt auch die Struktur?
Was mir seit der Abgabe außerdem fehlt, ist ein Rhythmus, über den ich während des Studiums kaum nachgedacht habe. Selbst wenn eine Woche voll war und ich mir mehr freie Zeit gewünscht hätte, gab es Vorlesungen, Termine und Aufgaben, die meinem Tag eine Richtung gaben. Jetzt kann ich mir diese Richtung selbst geben, was sich erst einmal gut anhört. In der Praxis ist es allerdings erstaunlich schwer, Feierabend zu machen, wenn man nie genau weiß, ob man für heute genug getan hat.
Ich kann Stellenanzeigen durchsehen, an einem Anschreiben feilen oder über Möglichkeiten nachdenken, die ich bisher übersehen habe, und trotzdem bleibt abends oft das Gefühl, noch irgendetwas tun zu müssen. An Tagen, an denen keine passende Stelle auftaucht oder eine Absage kommt, wird dieses Gefühl besonders hartnäckig. Dann fehlt mir die sichtbare Bewegung, die es beim Schreiben der Bachelorarbeit selbst nach einem schwierigen Tag gab: ein überarbeiteter Absatz, eine geklärte Frage, ein paar Seiten mehr.
Vielleicht erklärt das auch, warum ich zuletzt seltener für diesen Blog geschrieben habe. Früher habe ich mich nach Stunden an der Bachelorarbeit hingesetzt und an einem Beitrag gearbeitet, weil es sich anders anfühlte als der Pflichtteil des Tages: frei einteilbar, persönlicher, befreiter. Im Moment fällt es mir schwerer, diese Freiheit zu spüren, wenn ich gleichzeitig denke, dass ich die Zeit vielleicht für die nächste Bewerbung nutzen sollte. Dass ich ausgerechnet beim Schreiben ins Grübeln komme, obwohl dieser Blog aus meiner Lust daran entstanden ist, ist mehr als paradox.
Den Faden wieder finden
Während der Blog pausierte, habe ich trotzdem öfter darüber nachgedacht, wann ich den nächsten Beitrag schreiben würde. Ich wartete auf ein Thema, das mich sofort packt, auf ein bisschen mehr Ruhe im Kopf oder vielleicht auch auf eine Zusage, nach der sich alles leichter anfühlen würde. Irgendwann fiel mir auf, dass ich damit beim Schreiben dasselbe tat wie bei der Bachelorarbeit und den Bewerbungen: Ich wartete auf etwas, das mir erlaubt, weiterzumachen.
Dabei war der Blog von Anfang an etwas, das ich selbst in die Hand nehmen konnte. Die Idee dazu entstand mitten in der Arbeit an meiner Bachelorarbeit, als ich merkte, dass ich gerne schreibe und meine Gedanken auch außerhalb einer wissenschaftlichen Arbeit festhalten möchte. Diesen Freiraum hatte ich mir damals geschaffen, obwohl die Arbeit noch nicht fertig war. Vielleicht muss ich ihn mir jetzt, während ich auf ihr Ergebnis und auf Antworten zu meinen Bewerbungen warte, wieder ein Stück zurückholen.
Deshalb möchte ich wieder regelmäßig schreiben. Vermutlich werde ich mich an manchen Tagen erst hinsetzen und anfangen müssen, bevor die Lust darauf zurückkommt; so war es schließlich auch bei manchem guten Text, der zunächst nur ein leeres Dokument war. Ich will diesem Blog wieder Zeit geben, selbst wenn gerade vieles andere in meinem Leben offen ist. Die Bewertung meiner Bachelorarbeit und die nächste Antwort auf eine Bewerbung kann ich nicht beschleunigen. Ob ich heute ein paar Zeilen schreibe, liegt dagegen bei mir.

