Das Mekka des Basketballs darf wieder feiern: Die New York Knicks sind NBA Champion

Es gibt Momente im Sport, auf die man jahrelang wartet. Für das stolze New York City war der 14. Juni 2026 einer davon. Zum ersten Mal seit 1973 sind die New York Knicks NBA Champion, und das ausgerechnet gegen ein junges Team der San Antonio Spurs um den talentiertesten Spieler der Liga, vielleicht sogar aller Zeiten. 53 lange Jahre voller Enttäuschungen, Drama und Beinahe-Titel sind vorbei. Aber wie kam es dazu?

Der wichtigste Pass fand Off-the-Court statt

Jalen Brunson ist seit Jahren der Dreh- und Angelpunkt der Knicks. Der Point Guard entwickelte sich in New York zu einem der besten Scorer der Liga und war im Finale mit überragenden 45 Punkten im entscheidenden Spiel 5 maßgeblich für den Titel verantwortlich und verdiente sich damit auch noch den Award des Finals MVP. Seinen vielleicht wichtigsten Assist spielte der „King of New York“ aber nicht auf dem Parkett, sondern am Verhandlungstisch.

Brunsons alter Vertrag wäre in diesem Sommer ausgelaufen. Als Free Agent hätte er dann in der Off-Season einen Maximum-Vertrag über schwindelerregende 269 Millionen Dollar unterzeichnen können. Stattdessen verlängerte er bereits im Sommer 2024 frühzeitig für vier Jahre und 156,6 Millionen Dollar. Er verzichtete also bewusst auf 113 Millionen Dollar, die ihm rechtmäßig zugestanden hätten. Eine solche Entscheidung ist in der Geschichte der NBA nahezu beispiellos. Und dieser Verzicht hatte konkrete Konsequenzen: Die Knicks nutzen den gewonnenen finanziellen Spielraum um Karl-Anthony Towns zu verpflichten und sowohl Mikal Bridges als auch OG Anunoby zu verlängern. Zusammen mit Brunson bildeten diese 4 die zentralen Säulen des Meisterteams. Ohne den Gehaltsverzicht wäre diese Konstellation schlicht nicht finanzierbar gewesen.

Dies ist aber auch eine Geschichte von Vertrauen. Brunson setzte darauf, dass die Organisation das Geld klug einsetzt, um ein besseres Team zu bauen, wovon am Ende er selbst als auch die Knicks profitieren. Diese Entscheidung sollte sich am Ende in jeglicher Hinsicht als die richtige herausstellen.

Von Drama und Beinahe-Titeln zur Championship

Dass es allerdings überhaupt soweit kam, war keine Selbstverständlichkeit. In der Saison 2022/23 beugte man sich dem Cinderella-Run der Miami Heat, im Jahr zuvor erreichte man nicht einmal die Playoffs. Die letzten zwei Saisons endeten jeweils dramatisch mit Niederlagen gegen die Indiana Pacers in den Conference Finals bzw. Halbfinals. Beide Male mit dem Gefühl, dass ein Puzzlestück fehlen würde.

Die entscheidendste Veränderung war dann vielleicht eine, über die weniger gesprochen wurde: der Wechsel auf der Trainerbank. Man trennte sich vor dieser Saison von Tom Thibedeau, einem erfahrenen und respektierten Trainerhund, dessen harter, kontrollierender Stil das Team über Jahre geformt hatte. Gleichzeitig tat sich der Eindruck auf, dass Thibedeau aus dem Team das Maximum bereits rausholte und seine Leistungsdecke erreichte. Ein neuer Impuls musste her – der kam mit Mike Brown, einem bekannten, aber nach außen hin eher unspektakulären Kandidaten. Brown hatte seinen ersten Coach of the Year Titel 2009 bei den Cleveland Cavaliers gewonnen. Eine Auszeichnung, die er selbst wahrscheinlich zu großen Teilen einem gewissen LeBron James zu verdanken hat. Umso bemerkenswerter und aussagekräftiger war sein zweiter Coach of the Year Titel 2023 mit den Sacramento Kings. Dort beendete er mit der bis dahin effizientesten Offensive der NBA Geschichte eine jahrzehntelange Misere und führte die Kings zurück in die Playoffs. Und das ohne einen alles überstrahlenden Superstar, sondern mit System, Vertrauen und eine Spielkultur, die kollektiven Erfolg über individuelle Dominanz stellte. Ähnlich wie Jalen Brunson es mit seiner Vertragsverlängerung bei den Knicks vormachte.

Vielleicht war es genau das, was es in New York brauchte. Nicht mehr Druck, sondern weniger. Nicht noch mehr Kontrolle, sondern Spielfreude. Es ist gut möglich, dass diese andere Energie auf der Bank den Knicks nach Jahren des angespannten Beinahe-Erfolgs den entscheidenden Freiraum gegeben hat.

Was die Niederlage für San Antonio bedeutet – und was nicht

Auf der anderen Seite standen die San Antonio Spurs, die sich nach einem spektakulären Sieben-Spiele-Krimi gegen die Oklahoma City Thunder ins Finale gespielt hatten. Das Team um das französische Alien Victor Wembanyama ist jung, talentiert und eigentlich viel zu früh dran, um realistisch um einen Titel mitzuspielen. In den Finals wurde die fehlende Erfahrung zunehmend sichtbar, Wembanyama und seine Mitspieler sind schlicht noch nicht fertig.

Für Wembanyama persönlich war die Niederlage schmerzhaft. Als Typ, der absolut immer gewinnen will und jede Niederlage verabscheut wie die Pest, ist dieser Misserfolg eine beängstigende Motivation, vor der sich der Rest der Liga schleunigst in Acht nehmen sollte. Für seine Organisation, die Spurs, ist es dagegen fast ein Luxusproblem. In San Antonio ist man dem Zeitplan weit voraus. Man kann sich zurücklehnen, entwickeln und in aller Ruhe beobachte, wie dieses Team reift.

Ganz entspannt dürfen sie es sich allerdings nicht leisten. Die günstigen Rookie-Verträge von Wembanyama, Stephon Castle, Devin Vassell und den anderen Kernspielern laufen irgendwann aus. Wenn es dann um Verlängerungen geht, wird das eine komplizierte Rechenaufgabe. Alle gleichzeitig auf dem Niveau zu halten, das sie dann verdienen werden, ist kaum möglich. San Antonio steht also vor demselben Grundproblem, das fast alle aufstrebenden Teams irgendwann trifft: Wie hält man zusammen, was gemeinsam gewachsen ist, wenn der Salary Cap seine eigene Logik durchsetzt? Wird Victor Wembanyama vielleicht Jalen Brunsons Beispiel folgen und ebenfalls auf Gehalt verzichten, damit die Spurs ihm ein besseres Team an die Hand geben können? Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedenfalls davon auszugehen, dass wir die Spurs auch in der nächsten Saison in den Finals spielen sehen werden. Dort dann vielleicht mit der Portion Reife und Erfahrung, die ihnen dieses Jahr noch fehlte.

Kommentare

Eine Antwort zu „Das Mekka des Basketballs darf wieder feiern: Die New York Knicks sind NBA Champion“

  1. Avatar von Drei Deutsche, eine Nacht, ein Zeichen: Was das NBA Draft 2026 über den deutschen Basketball aussagt

    […] Champion zu einem Champion also. Übrigens: Wer meinen Beitrag zu den Knicks verpasst hat, einmal hier […]

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