Warum ich Locker Room Insights gestartet habe
Diese Zeilen schreibe ich während auf meinem zweiten Bildschirm meine Bachelorarbeit flimmert. Zwischen all der Literatur, den Methodologien und dem Lieblingsprogramm mit dem blauen W brauchte ich mal eine mentale Pause. Und dennoch führte mich diese Pause nicht weg vom Bildschirm, im Gegenteil: Ich merkte, dass mir Schreiben eigentlich eine Freude bereitet. Nicht nur, weil ich damit bald meinen Abschluss in der Tasche habe, sondern weil es mir hilft, meine Gedanken zu sortieren, den Kopf zu leeren und trotzdem die grauen Zellen ein wenig beschäftigt.
Gleichzeitig ist mein nächster Schritt nach dem Studium noch lange nicht in Stein gemeißelt. Klar ist: Ich will ins Sportbusiness. Unklar ist: In welcher Rolle, bei welchem Club, in welchem Setting. Dennoch möchte ich aber selbst aktiv sein, anstatt nur auf die richtige Gelegenheit zu warten. Ich möchte etwas Eigenes erschaffen, ein Projekt mit meiner Handschrift, was mir gehört. Ich möchte Dinge ausprobieren und Einblicke teilen, die man nicht an jeder Ecke bekommt.
Wenn man sich so umsieht, findet man eine riesige Menge an Sportcontent: Podcasts, TikToks, Hot Takes auf X und Instagram. So unterhaltsam wie dieser Content auch ist, so austauschbar ist er. Ich werde nicht der sein, der den 17. Fußball-Podcast startet, in dem ich die Top Stürmer der 2000er blind ranken muss oder zum zehnten Mal erkläre, ob die Bundesliga nun eine „Farmers League“ ist oder nicht. Das gibt alles schon zu Genüge.
Was aus meiner Sicht fehlt, ist eine Perspektive die den Sport ernst nimmt – als Business, System und Arbeitsplatz. Die meisten denken bei Fußball und Basketball an Tore, Dreier, Emotionen. Der Management-Aspekt, die Strukturen dahinter, die Menschen in Geschäftsstelle, Marketing, Vertrieb, B2B oder Teammanagement – all das ist viel weniger präsent oder wird unterschätzt. Genau an dieser Stelle setzt Locker Room Insights an: Ich möchte zeigen, wie dieses System funktioniert, welche Mechanismen dahinterstecken und wie sich eine Karriere im Sportbusiness wirklich anfühlt.
Mein Weg ins Sportbusiness
Der Wunsch, irgendwann mal im Sport zu arbeiten, kam mir nicht gestern. Bereits vor dem Abitur war mir klar: Wenn ich später jeden Tag Zeit, Energie und Geld in einen Job stecke, dann kann es nur etwas mit Sport zu tun haben.
Der erste richtig große und wichtige Schritt war mein Freiwilliges Soziales Jahr beim Gladiators Trier e.V. Rückblickend war das ein absoluter Glücksgriff. Es war dort nicht nur Bälle aufpumpen und stündlich zum Kopierer laufen, dieser Job war wirklich anspruchsvoll, mental wie körperlich. Als 19-jähriger plötzlich mitten im Alltag eines wachsenden Clubs zu stehen, war herausfordernd, aber mindestens genauso lehrreich. Ich habe aus erster Hand erlebt, wie viel Arbeit, Improvisation, Druck, aber auch Teamgeist in so einem Standort steckt.
Danach ging es dann ins Sportmanagement-Studium. Und ehrlich gesagt: Am Anfang habe ich es unterschätzt. Die Basismodule ohne direkten Sportbezug fand ich zäh, und so waren auch meine Leistungen. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, wie wichtig genau diese Grundlagen sind. Zusätzlich habe ich die Expertise der Professor:innen zu schätzen gelernt. Je mehr Praxisbeispiele und Verbindungen zur realen Sportwelt ich gesehen habe, desto mehr habe ich das Studium als das gesehen, was es ist: Eine Werkzeugkiste, mit dem ich das, was im Sport passiert, besser verstehen und einordnen kann.
Ein echtes Highlight war dann mein Aufenthalt in Kanada. Das hat meinen Horizont in mehrfacher Hinsicht erweitert: neue Menschen, neue Denkweisen, neue Einblicke in eine andere Sportkultur. Sportereignisse werden dort oft noch stärker als Events organisiert, mit einem anderen Fokus auf Show, Fan Experience und Inszenierung. Gleichzeitig entwickelt sich der Fußball in Kanada gerade rasant. Zu sehen, wie ein Land eine Sportart „neu“ entdeckt und das mit dem europäischen Selbstverständnis zu vergleichen war extrem spannend. Es wird interessant sein zu beobachten, welchen Einfluss die kommende Fußball-WM auf die Fußballkultur nicht nur in Kanada, aber auch in den USA haben wird. Dem werde ich mich in einem separaten Blogbeitrag widmen.
Die wahrscheinlich wichtigste Stufe auf meiner bisherigen Karrieretreppe folgte dann ziemlich genau ein Jahr später: in der B2B-Direktion des VfB Stuttgart. Vom einen auf den anderen Tag stand ich im Tagesgeschäft eines Bundesligisten, mitten in der Welt von Partner, Sponsoren und Geschäftskunden. Am Anfang war diese B2B-Welt ehrlich gesagt überwältigend: Termine, Hospitality, Rechtepakete, Aktivierungen, Erwartungen von Unternehmen, die eine ganze Menge Geld investieren. Doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass dort im Kern vieles ähnlich funktioniert wie auf dem Fußballplatz: Vertrauen, Kommunikation, Teamgeist und das Gefühl, gemeinsam an etwas Großem zu arbeiten.
Aus all diesen bisherigen Stationen ist ein Bild entstanden, das ich vorher so nicht hatte. Sportbusiness ist viel mehr als Schlagzeilen, Statistiken und Tabellen. Es ist ein komplexes System, das gleichzeitig faszinierend, anstrengend, manchmal widersprüchlich, aber immer spannend ist. Genau dieses Bild möchte ich mir weiter malen und auf Locker Room Insights teilen.
Was Dich hier erwartet
Locker Room Insights soll kein klassischer Newsblog werden, der jeden Tag das gleiche durchkaut, was jeder ohnehin schon dreimal gelesen hat. Die Inhalte hier werden sich auf ein paar klare Schwerpunkte konzentrieren:
- Transfers & Berater
Meine Bachelorarbeit dreht sich um genau dieses Thema. Mein erarbeitetes Wissen möchte ich aber nicht in einem Ordner auf meinem Laptop verschwinden lassen. Wie laufen Transfers aus Sicht der Beteiligten wirklich ab? Welche Rollen spielen dabei Berater, Familien Verbände und Vereine? Welche Regeln verändern gerade das Geschäft? Hier möchte ich ansetzen und Hintergründe liefern, die über die „Breaking News“ hinausgehen
- Sportbusiness und seine Eigenheiten
Wie funktioniert ein Club als Unternehmen? Was unterscheidet eine B2B-Abteilung im Sport von klassischem Vertrieb? Warum sind Sponsoren und Partner nicht einfach Geldgeber, sondern strategische Mitgestalter? Und welche Mechanismen sieht man, wenn man nicht nur am Spieltag auf der Tribüne, sonder auch unter der Woche im Büro sitzt?
- Karrierewege im Sport
FSJ, Studium, Praktika, Werkstudentenjobs: Theoretisch gibt es viele Wege ins Sportbusiness – allerdings ist keiner davon garantiert. Ich möchte so offen wie möglich darüber sprechen, was gut funktioniert hat, wo ich selbst Fehler gemacht habe, welche Erwartungen realistisch sind und welche nicht. Mein Ziel ist nicht den nächsten Network-Marketing Kurs zu verkaufen, sondern ehrliche Einschätzungen und Orientierung zu geben.
- Einblicke aus dem Alltag eines angehenden Sportmanagers
Ich selbst stehe auch noch mitten im Prozess. Das bedeutet: Dieser Blog wird kein Rückblick, sondern begleitet meinen Weg in Echtzeit. Wenn Dinge gut laufen, wirst du es hier lesen. Wenn etwas schiefgeht oder anders kommt als gedacht, wirst du es genauso erfahren.
Für wen ich schreibe
Locker Room Insights ist nicht für alle. Und das ist auch gewollt.
Ich schreibe vor allem für Menschen, die den Sport lieben, aber mehr verstehen wollen als nur Ergebnisse und Highlights. Dabei denke ich besonders an:
- andere angehende Sportmanager:innen, die mit dem Gedanken spielen, ein ähnliches Studium zu beginnen, ein FSJ zu machen oder Praktika in Clubs suchen;
- diejenigen, die gerade zweifeln, ob der Weg ins Sportbusiness wirklich für sie passt;
- Leute, die Lust haben, ihren Horizont zu erweitern und Sport auch als System, Arbeitsumfeld und Wirtschaftszweig zu begreifen.
Wenn Du Dich darin wiederfindest, egal ob Du noch am Anfang stehst oder schon mittendrin bist, dann bist Du hier richtig. Ich werde Dir sehr wahrscheinlich keine fertigen Antworten auf Deine Fragen liefern können, aber ich kann meine Erfahrungen, Erkenntnisse und eigene Fragen mit Dir teilen. Manchmal hilft genau das nämlich am besten.
Genau das ist Locker Room Insights in seiner Startversion: persönlich, reflektierend, aber genauso ernsthaft, was das Business angeht. Ich freue, wenn Du mich solange Du möchtest auf meinem Weg begleiten möchtest.


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