Zwischen Glamour und Realität
Das Sportbusiness gehört zu den beliebtesten Berufsfeldern überhaupt. Viele stellen sich vor, irgendwann mit Spielern im Tunnel zu stehen oder bei großen Spielen auf der Tribüne zu sitzen und dafür auch noch bezahlt zu werden. In der Realität sind diese Tribünenplätze aber deutlich rarer, als es von außen wirken mag. Auf jede ausgeschriebene Stelle kommen viele Bewerbungen, alle mit ähnlichen Lebensläufen. Da fühlt sich der vermeintliche Traumjob nur noch wie eine weit entfernte Hoffnung an.
Ausbildung, Netzwerk und ein Problem
Eine Ausbildung oder ein Studium im Sport- oder Wirtschaftskontext ist wichtig, aber nie automatisch der Schlüssel zum ersten Job. In vielen Fällen entscheidet am Ende das Netzwerk: Wer hat deinen Namen schon mal gehört, wer kann dich empfehlen oder mit wem hast du schon mal zusammengearbeitet. Hier stoßen wir jedoch auf das bekannte Huhn-oder-Ei-Problem: Man braucht einen Job, um ein Netzwerk aufzubauen, braucht aber gleichzeitig ein Netzwerk, um einen Job zu landen. Das macht es für Einsteiger nicht einfacher im Sportbusiness Fuß zu fassen. Ausbildung, Ehrenamt und erste Minijobs sind daher weniger Selbstzweck, sondern vor allem Plattformen, auf denen man Kontakte knüpft, die später Türen öffnen können. Die formale Qualifikation legt das Fundament, während die Menschen, die man unterwegs trifft, den Unterschied machen.
Praktika und Seiteneinstiege
Ein echter Gamechanger sind meistens Praktika. Im Studium ohnehin häufig Pflicht, unabhängig davon sind sie aber für viele der erste echte Kontaktpunkt mit dem Sportbusiness. Glamourös sind sie aber eher selten: Berichte schreiben, Präsentation bauen, Tickets verschicken. Im richtigen Umfeld ist das aber genau die Verantwortung die man braucht. Man darf Projekte begleiten und sieht, wie Entscheidungen und Prozesse wirklich ablaufen. Diese Erfahrungen und die Menschen, die einen begleiten, sind oft wichtiger als die Überschrift im Lebenslauf.
Eine andere, wenig diskutierte, Option führt über den Sport-Einzelhandel. Das wirkt auf den ersten Blick noch weniger attraktiv. Einzelhandel heißt Schichtdienst, Kundenkontakt, Kopfschmerzen (ich spreche aus Erfahrung). Gleichzeitig steht man dort aber an der Schnittstelle zwischen Fans, Vereinen und Ausrüstern. Große Händler arbeiten eng mit den Marken und lokalen Vereinen zusammen, statten Teams aus und unterstützen Veranstaltungen. Wer dort verlässlich arbeitet, ein Gefühl für Produkte und Zielgruppen entwickelt und sich ein erstes kleines Netzwerk aufbaut, kann daraus später vielleicht Wege in andere Rollen ableiten.
Ich hab jetzt damit nicht den geheimen Speedrun ins Sportbusiness aufgedeckt und ich hoffe, das denkt auch keiner. Dennoch wird von diesem Weg in all den LinkedIn-Posts kaum bis gar nicht geredet. Dabei ist dies für den ein oder anderen der erste und nicht zu unterschätzende Kontakt zur Branche.
Tiefer stapeln, höher fliegen
Viele träumen davon, direkt in einer Profiliga zu landen. Die Realität sieht so aus, dass die allerwenigsten ihren Einstieg in der Bundesliga oder bei einem großen internationalen Club finden. Häufig ist es sinnvoller, bewusst tiefer zu stapeln und zunächst in kleineren Vereinen, Verbänden und Agenturen anzufangen. Dort sind die Teams kleiner, Budgets straffer und die Strukturen weniger glatt. Genau das sorgt aber dafür, dass man früh Verantwortung übernehmen kann. Statt als Statist im Großverein am Rand zu stehen, kann man in einer Oberliga oder Regionalliga Ticketing, Sponsoring, Social Media oder Events aktiv mitgestalten. Was man dort lernt, lässt sich später für größere Aufgaben mitnehmen. Der Lebenslauf erzählt dann nicht nur Namen, sondern ist mit echten Geschichten aus der Praxis gespickt.
Geduld, Risiko und warum es sich trotzdem lohnt
Geduld ist so eine Sache. Das lässt sich immer so leicht predigen und doch ist sie so schwer umsetzbar. Mir selbst kann es auch nicht schnell genug gehen, und der Wunsch nach einem „richtigen“ Job direkt nach dem Studium ist absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig muss man realistisch bleiben: Team-Lead-Stellen, Leitungsfunktionen oder repräsentative Rollen werden in den seltensten Fällen an Berufseinsteiger vergeben. Wie in anderen Branchen auch wachsen Verantwortung und Titel mit der Zeit, mit Ergebnissen und mit Menschen, die einen fördern und fordern. Ausnahmen gibt es auch hier, sich darauf zu verlassen wäre aber vermessen.
Gleichzeitig ist der Sport kein stabiler, planbarer Arbeitgeber. Wer im Mannschaftssport arbeitet, hängt mit seinem Job oft direkt oder indirekt am Ergebnis auf dem Platz. Ein Abstieg, verpasste Einnahmen oder der Verlust eines Sponsors können schnell zu Kürzungen führen, die auch Mitarbeitende treffen. Das kann bedeuten, dass man den Standort wechseln muss, Verträge nicht verlängert werden oder man sich sogar ganz neu orientieren muss. Kaum eine Branche reagiert so sensibel auf Erfolge und Misserfolge wie der Profisport. Dieses Risiko gehört aber nun immer dazu.
Trotz alledem gibt es wenige Bereiche, in denen sich Wirtschaft und Emotion so stark verbinden. Der Mix aus Strategie, Zahlen, Menschen und Momente, in denen eine Aktion plötzlich alles entscheidet, ist schwer zu ersetzen. Spannung, Zittern, Freude: diese Emotionen gehören im Sport in der täglichen Arbeit einfach dazu und sind nicht nur Kulisse. Wer bereit ist, manchmal den längeren, ungeraden Weg zu gehen, sich durch Praktika, kleine Stellen und Vereine und Umwege zu arbeiten, findet im Sportbusiness eine Umgebung, die man in kaum einem anderen Wirtschaftszweig erlebt.


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